(J.J.Rousseau, zit. in J.Derrida,Grammato logie)
Dieser transz endentale Begriff des Lokalen betrifft nicht nur das engere Umfeld, sondern er dehnt sich, entsprechend zu den einzelnen Biographien, in die weiteren Bezugspunkte wie die nächsten Klein- oder vielleicht auch Großstädte aus. Dem entspricht die „typologische Ausdehnun g” des Ortes in die begegnenden Architektur en des en tf ernteren Um- raumes, die sich als Ausformung der j e örtlichen Seinsgestalt mit eintragen. Es wird hier somit der Ort (und in weiterem Sinne auch die Idee des architektonischen Entwurfs) als ein Komplex der kontinuierlich ausgedehnten seinshaften Verwirklichung i m Raum verstanden.
Dieses „Wohnen" im Da als ein Sein mit und aus der Sub- stanz des Ortes , d.h. aus dessen Geschichtli chk eit al s einer im „Geschick" des Ortes „gesammelten", ihn in seiner Ganz- heit ausmachenden Fülle von Geschehnissen heraus. Diese Geschichtlichkeit ist in ihrer Formation von innerer Unendlichkeit, wesentlich dynamisch und so in ihrer Gestalt je zum Jetzt hin konkret, aber nicht dinglich objektivierbar und s c ho n ga r nich t geschicht s wissenschaftlic h he r- ode r ableitba r, erfordert vielmehr die Aufhebung des ins z eitliche H inte r e inande r g eo r d nete n G e schicht s begri f fs z ug unste n einer verborgenen Präsenz im Ganzen („ewige Wiederkehr“).
Demgemäß wird auch in der architektonischen Gesta ltung „geschichtlic h" nich t verstande n al s Verdinglic hu n g hi- storischer Formen zu positivem Identitätsersatz, sondern als ein Zustand der „Leer e" im Zwischen des im Verschwinden begriffenen Gewesenen
Geschichtlich heißt hier auch, den aus seiner Ganzheit her ins Zukünftige weisenden Klang des Ortes in seiner tiefsten (d.h. von weit her kommenden) Gestalt zu fi nden. In diesem Sinne ist Architektur Begegn ung mit Landschaften, Orten und je Formulierung zu diesen, Verdichtung in ihr Wesen;
D. h., Geschichtlichkeit in dem Sinne, dass wir Bestandteil aller unserer überwundenen geschichtlichen Formationen sind, als einer Kraf t, die jäh aus der Unendlichkeit der inneren Ein- heit ihrer vorgängigen Gründung im geschichtlichen Gan zen aufblitzt .
Es sind die unau fl öslichen Antinomien, angesichts derer der dialektische Begriff der historischen Zeit zu entwickeln ist. Ihm gegenüber erscheint die Vorstellung von der ewigen Wiederkehr als eben der platte Rationalismus als der der Fortschrit ts- glaube verruf en is t und dieser l etzter e der mythischen Denkweise eb enso ange - hörend wie die Vorstellung von der ewigen Wiederkehr.” ( W. BENJAMIN, PASSAGENWERK )
“ der Glaube an den F o rtschritt, an eine unendliche P erfe kt ibilität und di e Vor- stellung von der ewigen Wiederkehr sind komplementär.
So sin d Architektu r projekt e ( selbs t al s vielleich t ka u m realisierte Bauten) Orte, Splitter, Strandgut eines Seinsraums , Magnete der Lebensausrichtung ihrer of t über lange Zeiträu- me erstreckten Entwicklung, nicht T eile einer Leistungsschau möglichst vieler und verdinglichend überhöhter „goldener “ Fertigstücke, eher Konzeption, Auseinandersetzung, Projek- tierung, weniger Bauen.
so gesehen ist Architekturmachen ein Geschehnis, Projekte Orte des Aufenthalts, letztlich das Privi leg, der Glücksfall, damit zur Kristallisation von Sein in seiner komplexen Fülle zu werden oder diesem sich zumindest anzunähern .
"...dieser ... Weisheit, ... die unablässig einer Zukunft nachjagt, die stets um so viel zurückweicht, wie wir voranschr eiten, und die uns dahin bringt, wo wir nicht sind, weil sie un s immer dahin bringen will, wo wir niemals sein werden.”
Dagege n sin d schic k e Modernisme n o f t geistlo s formal e Übernahmen, die an d en dialektisch gew achsenen Kern der klassischen Moderne selbst nicht annähernd heranr eichen.
Diese konzeptionelle Struktur entstand nach Maßgabe eines der frei en Kunst nahen Ansatz es , im bewussten Unterschied zum gängigen, als Architektur verstandenen Design, das, der U -M usi k vergleic h bar , Unterhaltung s ästheti k i n For m eleganter Modernismen bietet : Freie Kunst hingegen hier verstanden als das p rimäre Mi ttel, de m Einzelne n ode r ein er Gesellschaft , i n di e eigen e Wahrhaftigkeit, fern jeder ideologischen Verdinglichung, einzugehen, sie sich zu erschließen („Um zu werden was wir sind!").
Modernismen die, als erlösungsverheißende Traumbilder , z. B. im Geist des Science Fiction Zukunft zum Fetisch erhebend, letztlich nur Jüngstvergangenes fortschreiben und in ihrer Geschichtsferne nicht in der Lage sind, die unbewusst bereits latent e eigentlich e Zukünftigkeit , di e imme r nu r au s de r geschichtlich mit bedingten Wesentlichkeit heraus besteht, ins Offene zu bringen.
Be i alle n Bedenke n z u de n Modernisme n is t hie r di e Ar- chitektur der Moderne selbst sehrwohl stets wesentlicher Tei l de s Gesamten t wurfs , ebe n wei l auc h fas t imme r vor- handener und somit einzubeziehender Bestandteil der Geschichte des Orts.
f beginnt daher mit der Ana lyse des regionalen Feldes, indem die am Ort begegnenden Elemente als Spur r a u m zeitliche r L ebens -, als o Seinsganzheite n v erstande n werden, denen im architektonisc hen Mittel der rationalen R epräsentatio n de r Identitä t de s R aume s durc h analog e Setzung der ba ulichen T ypologien des räumlichen Umfeldes entsprochen wird, wobei über diese realistische Setzung hin- ausgehend eine Trans zendierung dieser architektonischen Elemente angestrebt wird, sodass die Geschehnisse und Emp- fi ndungen um diese Typologien in letztlich nicht darstellbarer Weise über dem Raum „leben”.
Der Entwur
Statt der Vorwegnahme von Zukunft wird hier ein von der Fülle des Seins getragenes “Ver-wendet-werd en” (M. Heid - egger) i n eine letztlich immer of fene, aber i n diesem Sein bereits angelegte Zukunft hin angestrebt. U. z. eine Zukunft aus einer Ganzheit heraus, die im wesentlich Gewesenen (als jene geschichtlichen G ehalte, die unsichtbar für den aktuellen Wesenszustand gültig sind) gründend, sich mit aus einem spezi fi sch „neuen Gegenüber“ bestimmter Elemente dieses Gewesenen erschließt , wobei diese letztlich nur die „Ränder“ eines noch unbestimmten „Zwischen“ aus- machen, insgesamt getragen von der Wesentlichkeit eines authentisdhen Selbst.
Diesem Techniktraum in seiner reduzierenden Anthropozen- trik wird hier die Konzeption der „heiligen" Unendlichkeit der Natur entgegengesetzt , als das nicht vermittelbare, stets in seiner Qualität zu erhaltende andere; ebenso wie jene die Ortshaftigkeit des "Da-Seins" bedingende, die Natur mit umfassende Geschichtlichkeit, als einer Konzeption im Gegensatz zu Futurismus oder Konstruktivismus, die Ver gangenheit s trategisch als dur chlauf ene "leer e Z eit" aussparen, um so uneingeschränkt den „Blick nach v orn “ richten zu können. Während es zum unbedingten Innovationswi llen in Wissen- schaft und Technik keine Alternative gibt , bedeutet die von „Erlösungserwartung” getragene „Vorwegnahme” des Zu- künftigen in der kulturellen Gestaltung vielmehr eine Zu- kunftsprojektion des Jüngstvergangenen, die dann erst recht bald veralte t und sich von vornherein außerhalb der Ganzheit umfassenden Seins bewegt.
Diese kontinuierliche Ausdehnung im Raum meint nicht jene de s erw artungsgel a dene n U topismu s de r k onstruktivist i- schen Moderne (U-Topismus = „Ort-Losigk eit"), der pro- grammatisch die grenzenlose Beherrschung des Raumes anstrebt , zu international einheitlichen Formen tendiert und so letztlich den Traum der unbegrenzten Allmacht in Wissenschaft und Technik - als „ Wille zur Macht“ - träumt.
Dasein heißt, wir „wohnen" im Raum in der Zeit - und in weiterem Sinne nicht nur im Wohnhaus, sondern a uch im Kraftwerk oder in der Landschaf t, wobei „W ohnen", aus der Ganzheit des Seins geschehend, Bauen (und Planen) der Artefakte insgesamt mit beinhaltet (und wenn nicht, dann bleiben eben nur reduzierte technische Zweckobjekte).
architektur als ort                                                                              phänomenolog. fragestellungen
Und in allem gilt: ohne Geschichtlichkeit gibt es keine Veränderung, nur den Wechsel .
Die lange entwickelte konzeptionelle Differenzierung ver- folgt das Ziel, eine klare innere Bestimmtheit zu finden für einen dem Stand der freien (z. B. bildnerischen) Kunst entsprechenden Entwurfsansatz - zu Formen, die, mit- telbar, in Stille Wesentlichkeit des Seins evozieren und nicht einfach vordergründige Harmonismen reprodu- zieren, die in rechnergestützt ständig wechselnder For- menvielfalt die modernistischen Trendvorgaben aus den zahlreichen Architekturzeitschriften variieren .